Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch

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Nachwuchsautorin Hanna

Artikel vom: 04.11.2023


Nachwuchsautorin Hanna

Die 15-jährige Schülerin Hanna H. aus Tiergarten ist das, was man gern als „schriftstellerisches Nachwuchstalent“ bezeichnet, eine nicht nur fantasievolle Geschichtenausdenkerin, sondern jemand, der dieses Talent mit dem nötigen „Handwerkszeug“ ausübt.
Die Schülerin des Hans Furler-Gymnasiums verfügt über das, was aus bloßem Tippen oder Schreiben „im Kopfkino“ laufende Bilder macht. Nämlich Beobachtungsgabe, Ausdruckskraft, Sinn für Dialoge und Verständnis für lebendige Szenerie. Entlang des sogenannten „roten Fadens“, also der inneren Logik eines Textes, führen Hannas Geschichten durch das Labyrinth des Geschehens. Dass sie außerdem „immer schon“ gern schreibt, begeisterte Leserin ist und sich neben ihren Lieblingshobbys, dem Schwimmen und Karate, als Schülerreporterin betätigt, zeigt eindrücklich, dass Hannas Freude am Schreiben gewissermaßen Zukunft hat.

Schon drei Mal hat sie ihr Talent beim „Leserabe-Schreibwettbewerb“ unter Beweis gestellt und zweimal die in ihrer Altersgruppe höchstmögliche Auszeichnung gewonnen: 2021 den „Sonderpreis Märchen“, 2023 den „Sonderpreis Sozialkritik“. Selbst sagt sie: „Ich mag es einfach, auf kreative Weise Geschichten zu erfinden. So kann ich in verschiedene Welten eintauchen.“

Beim diesjährigen Leserabe-Schreibwettbewerb, der vor zehn Jahren als gemeinsames Kulturprojekt des Autoren-Netzwerks Ortenau-Elsass und des Fördervereins der Oberkircher Mediathek durchstartete, widmete Hanna Hoffmann sich dem Thema „Mobbing“. Doppelt überzeugend den „Sonderpreis Sozialkritik“ teilte ihr die siebenköpfige Jury aus erfahrenen Autorinnen und Autoren für ihre Idee zu, Mobbing mit Transgender zu verknüpfen und daraus eine emotional wie stilistisch überzeugende Kurzgeschichte zu „stricken“, die sie „Neustart“ nannte. Darin flüchtet sich der Ich-Erzähler, der „früher ein Mädchen war“ an eine neue Schule, um Sebastians „Anfeindungen“ zu entgehen. „Jeden Tag zerbrach ich an seinen furchtbaren Kommentaren“, lässt Hanna ihren Protagonisten Sven erzählen. „Es waren zwar nur Worte, doch diese können einen oft stärker verletzen als Fäuste. Aber jetzt begann ein Neuanfang. Ab heute konnte ich die Vergangenheit hinter mir lassen. Ich fühlte mich so leicht. Aber das Mobbing war nicht vergessen. Das ist eine Narbe, die nicht verheilt. Solche Erfahrungen bleiben für immer.“ Zum Entsetzen des Ich-Erzählers Sven taucht schon einen Tag nach dem glücklichen Schulwechsel ausgerechnet Sebastian an der neuen Schule auf. „Mein Herz schlug wie wild und mir liefen kalte Schauer den Rücken hinunter“, bekennt Sven in Hannas Geschichte. Wie befürchtet, spielt Sebastian sogleich seine Trumpfkarte aus. „So, ist das Weichei abgehauen? Entweder, du bringst mir morgen 50 Euro mit oder die ganze Klasse weiß, dass du eigentlich ein Mädchen bist.“ Da Sven dieses Geld nicht besorgen kann, stellt Sebastian ihn hämisch bloß. Doch statt Zustimmung erntet Sebastian Widerspruch. „Was ist denn daran schlimm“, fragt Amy, eine der Mitschülerinnen. „Jeder kann doch so sein, wie er möchte. Ich verstehe Sven. Manchmal wäre ich auch lieber ein Junge. Und ich finde es beeindruckend, dass er sich getraut hat, so zu sein, wie er sich wohlfühlt.“ Breite Zustimmung führt dazu, dass Sebastian „rot anläuft“, Sven „künftig in Ruhe lässt“ und dieser tatsächlich seine Chance auf einen Neustart bekommt.

Text: Karin Jäckel /Foto: ARZ

ARZ 4.11.2023