Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch

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Schreibtalent Laura

Artikel vom: 26.10.2023


Schreibtalent Laura

Sie ist 13, ein Ass in Sport, spielt Fußball, seit sie vier ist und ist stolz, nicht nur beim SV Oberkirch, sondern auch im U 15-Team des SC Freiburg zu kicken. Es scheint selbstsicher und selbstbewusst zu machen, wenn man Fußball spielt. Jedenfalls ist die junge Oberkircherin Laura B. nicht nur fit wie ein Turnschuh, sondern auch von beeindruckender Offenheit. Keine Frage, sie weiß, was sie will und was sie kann. Das möchte man allen jungen Menschen ihres Alters wünschen.

Zur Preisverleihung des Leserabe- Schreibwettbewerbs konnte Laura nicht dabei sein. Und das, obwohl sie dieses Jahr von der Jury des Autorennetzwerks Ortenau-Elsass mit dem ersten Prosa-Preis in der Altersgruppe der 12- bis 13-Jährigen ausgezeichnet wurde. Doch Fußball ging vor. Und das Spiel gab Laura recht. Ihr Team gewann.

Beim Leserabe- Schreibwettbewerb etwas zu gewinnen – damit habe sie nicht gerechnet. Sie hat ihre Kurzgeschichte mit dem Titel „Ein ganz normaler Schultag“ einfach mal eingereicht. Ihre Deutschlehrerin am HFG Oberkirch, Camilla Binkele-Groß, die mit ihren Schülern das Thema „Mobbing“ als Hausaufgabe zur Übung von Kurzgeschichten bearbeitet hatte, regte diejenigen, die Lust dazu hatten, zur Teilnahme am Schreibwettbewerb an. Laura hatte Lust. Ihre Lieblingssportart Fußball ist schließlich Wettbewerb pur. Da gewinnt nicht, wer auf der Reservebank sitzt und nichts wagt. Freimütig räumt Laura auf die Frage, ob sie gern und öfter „eigene Sachen“ schreibe, ein, dass „Schreiben eigentlich nicht so meins ist.“ Sie fühle sich zwar durch den Preis geehrt und freue sich darüber. Fortsetzen werde sie es „eher nicht“. Lesen, meint sie, sei schon eher etwas für sie. Am liebsten Abenteuer, Fantasy, Action. Und da schließt sich denn doch der Kreis, denn zu dieser Vorliebe passt Lauras Schreibstil, der die Jury des Autorennetzwerks überzeugte. Knapp wählte sie ihre Worte, dynamisch kurz, jeder Satz quasi ein Schuss aufs Tor. „Bedrückend real“, hieß es bei der Jury. Nicht zuletzt dieser Stil ist es, der für die Jury aus Lauras Kurzgeschichte zum Wettbewerbsthema Mobbing eine Gewinnergeschichte machte. In ihren schnellen, lebendig geschilderten Szenen schwingt für die Jury „Atemlosigkeit“ mit. Eine Atemlosigkeit, die dem Alltag des Schülers Clemens entspricht, der sich regelmäßig vor einer erpresserischen Jugend-Gang zu retten versucht. Manchmal entkommt er, meistens nicht. Das Wegschauen der Lehrer, von denen er keine Unterstützung erhoffen kann, kennzeichnet seinen Schulalltag. „Man möchte ihm beistehen,“ meinte eine der Jurorinnen. „Die Geschichte ist sehr berührend.“ Einer anderen ging der hoffnungslose Schlusssatz des Mobbingopfers zu Herzen: „Er merkt, dass dies sein Leben ist.“ Selbst erlebt hat Laura Mobbing bisher nicht, wie sie erleichtert erklärt. Zur Vorbereitung auf ihre Hausarbeit habe sie sich aus Büchern inspirieren lassen. Vor allem aber davon, was im Deutschunterricht über Aufbau, Struktur und Stil der Kurzgeschichte als Genre vermittelt wurde. Besser als mit dem ersten Preis hätte Laura den Erfolg des Deutschunterrichts nicht beweisen können. „Da soll noch mal einer sagen, heutige Kinder lernen nichts mehr in der Schule“, schrieb einer der Juroren unter ihren Text.

Text: Karin Jäckel / Foto: Klaus-Peter Jäckel

ARZ 21.10.2023