Theaterstück „Verwandte sind auch Menschen“
Mit viel Spielfreude, Humor und bemerkenswertem Engagement präsentierte die Theaterwerkstatt I des Hans-Furler-Gymnasiums am vergangenen Donnerstag und Freitag im Forum der Schule die Komödie „Verwandte sind auch Menschen“ von Erich Kästner. Die jungen Darstellerinnen und Darsteller im Alter von elf bis vierzehn Jahren wagten sich damit an ein Stück, das in Ton und Thema deutlich erwachsener ist als viele der Fantasiegeschichten, die häufig im Schultheater zu sehen sind. Unter der Leitung von Sabrina Vogt‑Ehmann meisterten sie diese Herausforderung mit beeindruckender Souveränität und großer Spielfreude. Das Stück, das Kästner gemeinsam mit Eberhard Keindorff verfasste, lebt von feiner Ironie, pointierten Dialogen und einem liebevollen Blick auf menschliche Schwächen. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein wohlhabender älterer Herr, der seinen eigenen Tod vortäuscht, um seine Verwandtschaft zu einer ungewöhnlichen Zusammenkunft auf seinem Anwesen zu bewegen. Als Diener verkleidet kann er aus nächster Nähe beobachten, wie sich die eingeladenen Familienmitglieder verhalten, wenn sie glauben, ein großes Erbe könne auf sie warten. Doch statt der erwarteten gierigen Erbschleicher offenbart sich ihm eine ebenso skurrile wie liebenswerte Gruppe von Menschen: ein Sammelsurium aus Eitelkeiten, Eigenheiten und kleinen Marotten – kurz gesagt, eine Familie, wie sie im Buche steht. Gerade diese Mischung aus scharfsinniger Gesellschaftssatire und warmherzigem Humor machte die Inszenierung der Theaterwerkstatt besonders reizvoll. Mit viel Gespür für Timing und Situationskomik gelang es den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, Kästners pointierte Dialoge lebendig werden zu lassen. Jede Figur erhielt ein eigenes Profil, und so entstand auf der Bühne ein buntes Panorama unterschiedlichster Charaktere – vom selbstbewussten Arzt über eine exzentrische Schauspielerin bis hin zu bodenständigen und zugleich temperamentvollen Familienmitgliedern, die das Haus ihres vermeintlich verstorbenen Verwandten mit Leben füllen. Bemerkenswert war dabei vor allem, mit welcher Natürlichkeit und Präsenz die jungen Darstellerinnen und Darsteller ihre Rollen gestalteten. Die Inszenierung setzte nicht auf große Effekte, sondern auf präzises Zusammenspiel, klare Figurenzeichnung und humorvolle Details. Aus vielen kleinen Momenten entwickelte sich eine lebendige Bühnenwelt, die das Publikum schnell in ihren Bann zog. Immer wieder sorgten pointierte Dialoge, überraschende Reaktionen der Figuren und die sorgfältig herausgearbeiteten Charakterzüge für herzhaftes Lachen im Zuschauerraum. Eine besondere Rolle an diesen Abenden spielte die Big Band des HFG, die unter der Leitung von Andreas Rauber maßgeblich zur Atmosphäre der Aufführung beitrug. Mit ihrem kraftvollen und zugleich stilistisch fein abgestimmten Sound verlieh sie der Inszenierung eine zusätzliche, beinahe filmische Dimension.
Die musikalischen Beiträge begleiteten nicht nur Szenenwechsel und Übergänge, sondern setzten immer wieder eigene Akzente, die das Bühnengeschehen unterstrichen und dem Abend eine lebendige rhythmische Struktur verliehen. Dabei überzeugte die Big Band nicht nur durch ihr geschlossenes Zusammenspiel, sondern auch durch mehrere herausragende solistische Beiträge. Einzelne Instrumentalistinnen und Instrumentalisten traten mit virtuosen Soli hervor und demonstrierten eindrucksvoll das musikalische Niveau des Ensembles. Ebenso trugen die Sängerinnen der Big Band mit ihren ausdrucksstarken Stimmen wesentlich zur besonderen Wirkung der musikalischen Einlagen bei. Ihre Darbietungen verbanden sich harmonisch mit dem Bühnengeschehen und sorgten immer wieder für begeisterte Reaktionen im Publikum. So entwickelte sich zwischen Theater und Musik ein lebendiger Dialog: Während auf der Bühne die turbulenten Begegnungen der exzentrischen Verwandtschaft stattfanden, kommentierte und verstärkte die Big Band das Geschehen auf musikalische Weise. Diese Verbindung von Schauspiel und Live-Musik verlieh der Aufführung eine besondere Dynamik und machte deutlich, welch großes kreatives Potenzial in der Zusammenarbeit der verschiedenen schulischen Ensembles liegt. Dass diese Produktion so überzeugend gelang, ist auch der engen Zusammenarbeit verschiedener Arbeitsgemeinschaften der Schule zu verdanken. Neben der Theaterwerkstatt waren auch die AGs Bühnenbild, Technik und Big Band maßgeblich beteiligt. Mit viel Kreativität und Engagement gestalteten sie gemeinsam eine Aufführung, die zeigte, wie fruchtbar das Zusammenspiel unterschiedlicher künstlerischer Bereiche sein kann. Die Bühnenbild-AG unter der Leitung von Irmela Dübbers schuf einen passenden Rahmen für die Handlung, während die Technik für stimmungsvolle Licht- und Toneffekte sorgte. Die Aufführung machte eindrucksvoll deutlich, wie lebendig und vielseitig das kulturelle Leben am HFG ist. Für die jungen Darstellerinnen und Darsteller war die Produktion nicht nur eine Gelegenheit, ihre schauspielerischen Fähigkeiten zu zeigen, sondern auch eine wertvolle Erfahrung im gemeinsamen kreativen Arbeiten. Wochenlange Proben, intensive Vorbereitung und das Zusammenspiel vieler Beteiligter mündeten schließlich in zwei Abenden, die beim Publikum großen Anklang fanden. Mit „Verwandte sind auch Menschen“ gelang der Theaterwerkstatt I eine ebenso unterhaltsame wie charmante Inszenierung, die zeigte, wie zeitlos Kästners humorvoller Blick auf menschliche Eigenheiten ist. Das begeisterte Publikum dankte den jungen Künstlerinnen und Künstlern mit lang anhaltendem Applaus – und darf sich schon jetzt auf die nächste Produktion freuen.