Freundschaft im Alltag
Am 23. Januar 2026 richteten das HFG Oberkirch, das Kultusministerium Baden-Württemberg und die Académie de Strasbourg die Landesfeier zum Deutsch-Französischen Tag aus - mit Musik, Schülerbeiträgen und einer Podiumsdiskussion.
Als im Forum des Hans-Furler-Gymnasiums die Nationalhymnen erklangen, stand der Grundton: nicht Symbolik, sondern eine Partnerschaft, die im Alltag gelebt wird. Am 23. Januar 2026 richteten das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und die Académie de Strasbourg ihre jährliche Feier zum Deutsch-Französischen Tag am Hans-Furler-Gymnasium in Oberkirch aus. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Politik und Verwaltung beiderseits des Rheins sowie mehrere deutsch-französische Schulgruppen. Dass die Wahl auf Oberkirch fiel, war kein Zufall. Das Hans-Furler-Gymnasium ist Europaschule - und seit Jahrzehnten ein Motor für Französisch und die deutsch-französische Verständigung. Seit 2005 bietet es einen bilingualen Zug an, der zum deutsch-französischen Doppelabitur (Abibac) führt. Jedes Jahr knüpfen Schülerinnen und Schüler des Oberkircher Gymnasiums neue Kontakte zu gleichaltrigen jungen Französinnen und Franzosen. Möglich machen das etablierte Partnerschaften mit Schulen im Elsass und in anderen französischen Regionen. Und immer wieder entstehen auch neue Formen der Zusammenarbeit. Am Oberkircher Gymnasium wird die deutsch-französische Freundschaft täglich gelebt - nicht nur am Deutsch-Französischen Tag, der jährlich an die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags durch Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 in Paris erinnert.
Der Festakt im Forum fügte Reden, Schülerbeiträge und kulturelle Programmpunkte zu einem stimmigen Ganzen. Schulleiter Ingo Kruse begrüßte die Gäste, dann sprachen Oberbürgermeister Gregor Bühler, Staatssekretär Volker Schebesta und der französische Generalkonsul Gaël de Maisonneuve. Alle verwiesen auf die Bedeutung der jungen Generation: für die Freundschaft der beiden Länder ebenso wie für ein Europa, das in Frieden und Freiheit vereint bleibt.
Das Hans-Furler-Gymnasium setzte mit zahlreichen eigenen Beiträgen Akzente. Chor und Streichorchester eröffneten musikalisch, bevor die Big Band zu Beginn Carlos Santanas "Europa" spielte und am Ende der Veranstaltung mit "Treasure" von Bruno Mars den Schlusspunkt setzte. Jüngere Schülerinnen und Schüler zeigten eine szenische Interpretation der deutsch-französischen Freundschaft, ergänzt durch Tanzeinlagen. Gäste aus Karlsruhe und Obernai stellten ein innovatives Projekt vor: die "Klimastaffel". Weitere Gruppen des Oberkircher Gymnasiums stellten gemeinsam mit französischen Partnern Projekte und Aktivitäten vor. Präsentiert wurden der Wochenendaustausch mit dem Collège Les Cigognes in Gerstheim (Elsass) und das letztjährige Drittortprojekt in Saint-Malo, das mit dem Lycée Rostand aus Straßburg durchgeführt wurde.
Die Veranstaltung ließ auch kritische Fragen zur Lage der deutsch-französischen Beziehungen zu. Staatssekretär Volker Schebesta, einst selbst Absolvent des HFG, und Schulinspektorin Isabelle Wolf (Académie de Strasbourg) stellten sich den Fragen der deutsch-französischen Schülerbotschafter, darunter auch solchen des Oberkircher Gymnasiums. Im Mittelpunkt standen der Platz der jeweiligen Nachbarsprache im Unterricht und die Frage, wie europäische Identität entstehen kann. Außerdem ging es um die Rolle von Frankreich und Deutschland in einer Welt, in der autoritäre Herrschaft an Boden gewinnt.
Nach dem offiziellen Programm setzte sich das Gespräch bei einem Stehempfang fort. Rege Gespräche zwischen deutschen und französischen Gästen machten deutlich, was der Tag leisten kann: Er gibt der deutsch-französischen Freundschaft Substanz - und bleibt mehr als ein Ritual. Für das Oberkircher Gymnasium war es eine Ehre, den Deutsch-Französischen Tag als Gastgeber auszurichten. Eine Zentralveranstaltung der Landesregierung hatte die Schule in ihrer Geschichte bislang noch nie ausrichten dürfen. Und wenn man so will, dann war die Feier auch ein Geschenk zum 50. Geburtstag des 1976 erstellten Furler-Gymnasiums.
Weitere Berichte: Acher-Rench-Zeitung | Pressemitteilung des KM